Nach der Siegerehrung vom gestrigen Loasrennen (siehe Artikel darunter) geht’s jedoch bereits ab Richtung Radstadt. Um 20:25 halten wir endlich die Startpakete in den Händen und machen uns hungrig auf zum Nudelbuffet. Anschließend daran fahren wir einige Kilometer Richtung Schladming zu unserer Unterkunft. Mario, Manni + Simon beziehen ihre Zimmer, ich entschließe mich zurück zum Campingplatz in Radstadt zu fahren. Da ich dort niemanden antreffe stelle ich meinen Bus auf einen Parkplatz und richte dort mein Quartier ein. Leider ungeduscht! – aber müde schlafe ich wie immer ganz gut im Heck meines Autos. Um 06:00 durchs Handy geweckt krabble ich aus meinem Wagen und verrichte die Morgentoilette auf einer angrenzenden Wiese im Nieselregen. Zum Frühstück nehme ich zwei Scheiben Weißbrot mit Nutella zu mir - das muss für die 100km reichen! Ich nehme das Rennrad vom Träger und montiere es unter meiner Markise auf die Walze. Nach zwanzig Minuten fühlen sich meine Oberschenkel wieder gut an und ich bin zuversichtlich. Im Startblock treffe ich Simon, Manni und Mario. Trotz des Regens, oder gerade deshalb fallen nun einige lockere Sprüche und bald haben wir wirklich gute Laune. Trotz des Wetters ist die ganze Stadt übersät mit Radfahrern.
Der Startschuss fällt, wir setzen uns auf unsere nassen Sättel und verlassen vorsichtig die Stadt. Kaum auf der Bundesstraße angekommen beginnt eine etwas riskante Slalomfahrt nach vorne, die sich die gesamte erste Steigung hinzieht. Um die Spitzengruppe einzuholen müssten wir allerdings in diesem Abschnitt schneller fahren als z.B. ein Andreas Ortner – und das ist leider nicht möglich.Die rutschige Abfahrt absolviere ich vorsichtshalber mit etwas Abstand und diesmal mit nur wenigen Überholmanövern. Auf der nächsten Geraden verlieren wir natürlich wieder wertvolle Zeit auf die Topgruppe. Nach einer Unterführung geht’s in die nächste Steigung. Etwa ab der Mitte kann ich ca.150m vor mir den schnellsten Tiroler beim Ötztaler 2007 (7Stunden35Minuten) Andreas Burger erkennen. Mit gewohnt hartem Gang arbeite ich mich bis zum Ende des Anstiegs an ihn heran. Oben angelangt unterhalten wir uns über die Strecke, das Wetter den Abstand zur Spitzengruppe... Nach der Abzweigung in die 100er Strecke waren wir, gemeinsam mit 3 Österreichern und 2 Deutschen, eine gute 7er Gruppe. Einige Zuseher rufen uns zu, dass vorne nur 2 Leute im Abstand von 5 – später 3 Minuten wären. Ab nun spekulieren alle bereits auf den 3. Platz und haben mehr oder weniger eine Strategie parat, um diesen zu erreichen. In der letzten Steigung wird abwechselnd das Tempo erhöht. Großteils mit dem großen Blatt und der niedrigsten Trittfrequenz der Gruppe fühle ich mich bei jedem Tempo wohl und kann wie auch Andi, da sich das Wetter ein bisschen bessert, endlich Gilet und Ärmlinge wieder wegpacken, während sich die beiden nördlichen Nachbarn (wie seit Cesenatico gewohnt) am Hügel wieder nach hinten verabschieden müssen. Oben angelangt ziehen wir zu fünft, in einem „Kreisel“, rasch dem Ziel entgegen. In der Ebene stelle ich fest, dass sich meine Beine immer noch super anfühlen, und beschließe schließlich nicht wie geplant am Bahnübergang abzuhauen, sondern es auf einen Zielsprint ankommen zu lassen. Am Ende der Bundesstraße fahre ich also in die dritte Position hinter Andi. In der letzen Kurve lasse ich das Blatt stehen, wähle (auf nassem Untergrund) einen großen Radius und als ich auf gleicher Ebene mit den beiden Vordermännern bin hebe ich mich aus dem Sattel und hämmere beherzt in meine neue FSA-Kurbel. Obwohl ich bei jedem Tritt das Hinterrad vom Asphalt hebe, gewinne ich schnell einige Meter Abstand, die ich bis ins Ziel beibehalte.
Nach einigen Minuten hebt sich meine gute Laune erneut, als Mario überraschend schnell die Linie passiert. Besonders stolz sind wir auf Simon, der trotz seiner zwei Pannen um jede Sekunde erfolgreich für unsere Teamwertung kämpft. Manni schießt schließlich den Vogel ab – er fährt mit einer super Leistung auf den 9. Platz in seiner Klasse. Nachdem wir uns im nahe gelegenen Wirtshaus wieder einigermaßen gestärkt haben gilt unser Respekt allerdings unseren beiden unerschrockenen Langstreckenfahrern Markus und Jochen, die gerade trotz des widerlichen Wetters wie geplant die lange Distanz in einer tollen Zeit beenden – „bravo!“ Alle Fahrer gewinnen auch einige nützliche Erkenntnisse für künftige Regenrennen, die nach der Siegerehrung bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen ausgetauscht werden... (Luis Saurwein)